In den letzten Jahren ist die
Zucht der Pyrenäenberghunde stark aufgeblüht ,so dass dieser größte aller Hirtenhunde
heute gleichberechtigt neben anderen Hirtenhunden steht. Zunehmend steigt das Interesse
vieler Hundeliebhaber an der Geschichte dieser wertvollen Rasse .In meinem Archiv finden
sich mehrere Aufzeichnungen hierzu. Eine dieser Aufzeichnungen, deren Verfasser nicht mehr
bekannt ist, wagt einen sehr weiten, jedoch nicht unwidersprochenen Blick in die früheste
Geschichte dieser Hirten -bzw. Berghunde. Nachstehend möchte ich den Besuchern meiner
Homepage einen Auszug dieses geschichtlich interessanten Berichtes vorstellen. Die hierin
gegebenen Informationen müssen dahin verstanden werden, dass der Pyrenäenberghund
ursprünglich sicher ein vom heutigen Bild abweichendes Aussehen hatte.
Xero vom Berkahof
Geschichte:
"Es gibt keine andere Hunderasse, die eine so
glorreiche und farbenprächtige Geschichte wie die der Pyrenäenberghunde vorweisen
könnte", heißt es in dem Buch von Mrs. Harper Trois-Fonteneys "Meine Reisen
und meine Hunde".
Man hat Skelette ihrer Vorfahren aus dem Bronzezeitalter
entdeckt, welche aussagen, dass man ihre Ankunft in Europa auf die Zeit zwischen 1800-1000
v. Chr. Geburt festlegen kann. Das bedeutet, dass sie ursprünglich aus Zentralasien oder
Sibirien kamen und der arabischen Invasion nach Europa folgten. Aus den römischen
Kunstbrevieren, besonders aus den Alpenländern, werden sie als Stammvater des modernen
Bernhardiners beschrieben, was auch wahrscheinlich ist.
Die Eigenart der Pyrenäenberghunde ist infolge ihrer Isolation
in den hohen Bergen durch die Zeit hindurch bewahrt worden.
In jenen Tagen, als noch wilde Tiere in den Pyrenäen
umherstreiften, wurden diese Hunde zum idealen Leiter und Beschützer der Herden. Die
Pyrenäenberghunde waren beinahe unbesiegbar, weil ihre natürliche Decke aus einem langen
dichten Pelz bestand, welche sie gegen einen Angriff schützte. Außerdem wurden sie von
den Hirten vorsorglich mit einem breiten Eisenhalsband versehen, das 1 ½ Zoll lange
Stacheln hatte. Sie wurden so berühmt, dass sie den Ruf erhielten, sogar über Wölfen
und Bären zu sein und dadurch allgemein bekannt als "Pyrenäenwolf" und
"Pyrenäenbär".
Viviane vom Berkahof
Viele Generationen hindurch wurde der Pyrenäenberghund als Wächter und zur Arbeit
gebraucht. Dabei entstand ein Hund, dessen Tapferkeit unübertroffen war, der seine
Pflicht sehr ernsthaft und aufrichtig bis zur Selbstaufopferung für seinen Herrn oder
seine Herde erfüllte. Die Bauern in den Bergen konnten ihre Herde für mehrere Tage im
Schutz von zwei dieser Hunde zurücklassen, denn sie wussten, wenn der eine Hund sich
ausruhte, hielt der andere Wacht.
Im Mittelalter finden wir die Abbildung dieser Hunde im
Basrelief aus"Carcassone" aufgeführt im französischen Wappenschild, ca. 500
Jahre bevor sie ihre endgültige Aufnahme als Hofhund z.Z.Ludwig IX. fanden.
Schon in der Zeit um 1407 beschrieb der Historiker M.Burdel ein
Rudel Pyrenäenberghunde, die zum Wachdienst beim "Chateau de Lordes" verwendet
wurden. Diese Hunde hatten einen besonderen Platz im Schilderhaus zusammen mit den Wachen,
denen sie auch bei den Rundgängen folgten. Ihre Verwendung zu diesem Zweck war allgemein
üblich und jedes größere Schloss fing an, seine eigenen Pyrenäenberghunde zu züchten.
Im Jahre 1765 besuchte der junge Kronprinz die Stadt Barréses, war entzückt
über einen hübschen"Patou"(das war der übliche Name für Rassen, die als
Hirtenhunde bezeichnet wurden) und nahm ihn mit zum Louvre. Ein paar Jahre später war der
Marquis de Laureis von ihrem Charme hingerissen. Die Pyrenäenberghunde wurden der Kamerad
und Gesellschaftshund des Adels.
Als die ersten Fischer von der Biscaya sich in
Neufundland ansiedelten , war man nicht überrascht zu erfahren, dass im Jahre 1662, als
die erste ständige Kolonie "Raugnonst" errichtet wurde, es die
Pyrenäenberghunde waren, die diese Leute begleiteten. Sie wurden mit einer Art englischer
Hirtenhunde zu einer unbestimmbaren Rasse gekreuzt, die englische Ansiedler mitgebracht
hatten.
Von dieser Kreuzung stammen die
Neufundländer, was wir besonders bei der ersten Züchtung der Landseer, der Art mit dem
weißen Fell, sehen. Wahrscheinlich haben die Pyrenäenberghunde auch ihren Anteil bei der
Züchtung der Bernhardiner, der Deerfhunde und Wolfshunde und vielleicht auch zu anderen
großen Rassen beigesteuert.
Standard
Beschrieben wird der Standart des
Pyrenäenberghundes in der FCI-Klassifikation der Gruppe 2; als Ursprungsland wird
Frankreich erwähnt.
Das allgemeine Erscheinungsbild zeigt einen großen imposanten,
kräftig gebauten Hund, jedoch nicht ohne gewisse Eleganz. Die Höhe des Rüden liegt
zwischen 70 und 80 cm, die der Hündin zwischen 65 und 72 cm. Das Gewicht des Rüden
sollte bei ca.60 kg und das der Hündin bei ca. 45 kg liegen.
Der Kopf ist im Verhältnis zur Größe nicht allzu mächtig.
Die Lefzen sind schwarz oder sehr kräftig schwarz markiert. Die Nase muss
völlig schwarz
sein. Die kleinen Augen sind dunkel bernsteinfarbig, aufgeweckt und bedächtig im
Ausdruck. Sie sind von dicht anliegenden, schwarz geränderten Lidern umschlossen und
leicht schräg gestellt. der Blick ist sanft und verträumt.
Die Ohren sind ziemlich klein; dreieckig mit abgerundeter Spitze;
flach gegen den Kopf
fallend.
Der Hals ist kräftig und kurz.
Am Körper reicht die Brust nicht allzu tief hinab, ist aber
breit und lang; der Rücken ist gerade und fest.
Die Vorderbeine sind gerade, kräftig und gut behaart. Reicher
und länger in der Behaarung sind die Hinterbeine. Die Oberschenkel sind stark bemuskelt.
Ein Rassemerkmal sind die an den hinteren Gliedmaßen
getragenen und gut ausgebildeten doppelten Afterkrallen.
Die Rute ist lang, buschig, eine Fahne bildend und in
Ruhestellung tief getragen; beim aufgeweckten Hund hebt sie sich und krümmt sich stark
über den Rücken(er schlägt das Rad, "arroundera" in der Sprache der
pyrenäischen Bergbewohner).
Das Haar ist recht dicht und schlicht; ziemlich lang und weich;
länger an der Rute und um den Hals; es ist weiß oder weiß mit
grauer(Dachsfarbener)blaßgelben, wolfsfarbenen oder orange-farbenen (rostigen) Flecken an
Kopf, Ohren und Schwanzansatz.
Trotz seiner Größe besitzt der
Pyrenäenberghund ein sehr fließendes Gangwerk, wirkt niemals schwerfällig, sondern im
Gegenteil sehr elegant; seine Winkelungen erlauben ihm eine ermüdungsfreie Bewegung!
Haltung und Pflege
Der Pyrenäenberghund ist ein umgänglicher und
bequemer Hund, er ist gehorsam und lieb. Der Besitzer sollte von Anfang an vermeiden,
schärfe oder Aggression in ihm zu wecken, dies wäre bei einem so großen Hund viel zu
gefährlich. Er ist kein Gebrauchshund sondern er besitzt noch instinktiv alle guten
Eigenschaften die einen "Hirtenhund" auszeichnen!
Die Hunde sind keine reinen Haushunde, dieses würde ihrer Natur
widersprechen! Sie leben auf einem großen Grundstück oder im Garten, lieben lange
Spaziergänge oder Fahrradfahrten, versäumen aber nicht, regelmäßig ins Haus zu kommen
um die ganze Familie zu begrüßen. Pflege brauchen die zum Teil schneeweißen
Pyrenäenberghunde wenig. Lediglich die Hängeohren und die Augen werden regelmäßig
gereinigt und die beiden rassetypischen After-oder Wolfskrallen an den Hinterläufen
gestutzt.
Gelegentlich werden sie gekämmt und gebürstet. Baden ist ihnen
fremd. Dennoch sind sie stets weiß und sauber, Sommer wie Winter. Kurzum, bei richtiger
Behandlung und Erziehung ist der Pyrenäenberghund der ideale Familienhund, Kamerad der
Kinder und eindrucksvoller Wachhund. Er ist in der Familie die Gutmütigkeit in
"Person". |